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GmbH ohne Geschäftsführer: Geht das?

Wenn die GmbH ohne Geschäftsführung dasteht, wird es sehr kritisch. Daher ist es von großer Bedeutung, die einem zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen gründlich abzuwägen und sich auf ein Notfall-Management vorzubereiten. Wir gehen dieser Frage nach und legen die verbleibenden Möglichkeiten dar.

Warum eine GmbH führungslos wird

Im Rahmen des Gesellschaftsrechts stellen sich viele komplizierte rechtliche Fragen, die nur ein erfahrener Rechtsanwender ergründen kann. Die Führungslosigkeit einer GmbH ist dabei ein Szenario, welches nicht jeden Tag vorkommt, aber durchaus bekannte Ursachen hat.

  • Kündigung des Geschäftsführers einer GmbH

Der erste und offensichtlichste Grund ist die Kündigung des Geschäftsführers. Er kann sein Amt innerhalb der Fristen kündigen, die im Geschäftsführungsvertrag vereinbart wurden. Man spricht bei der eigenständigen Kündigung insoweit auch von der Niederlegung des Geschäftsführeramtes, die in der Gesellschafterversammlung erklärt werden muss.

  • Ordentliche Abberufung des Geschäftsführers

Die Gesellschafterversammlung kann die Geschäftsführung des Unternehmens gemäß § 38 GmbHG durch einen Mehrheitsentschluss abberufen. Es muss kein besonderer Grund vorliegen. Wenn in der Satzung abweichende Vorgaben bestehen, kann die Abberufung erschwert werden. Daher ist der Inhalt des Gesellschaftsvertrages unbedingt vorher zu prüfen. Konsultieren Sie hierfür einen erfahrenen Rechtsanwalt für Gesellschaftsrecht.

  • Außerordentliche Abberufung des Geschäftsführers

Wenn ein wichtiger Grund vorliegt, findet unter Umständen eine außerordentliche Abberufung statt. Dabei fallen unter „wichtig“ die groben, also schwerwiegenden Pflichtverletzungen oder die Unfähigkeit, die Geschäftsführung ordnungsgemäß durchzuführen. Dies ergibt sich aus § 38 Abs. 2 Satz 2 GmbHG. Während der Geschäftsführer in ordentlichen Abberufung ein Stimmrecht hat, fällt dies bei einer außerordentlichen Abberufung aufgrund des Fortbestandes der Gesellschaft weg.

  • Ausfall des GmbH-Geschäftsführers

Sollten nicht nur rechtliche, sondern gesundheitliche Gründe vorliegen, durch die der Geschäftsführer nicht mehr in der Lage ist, den Posten auszuüben, kann auch in diesen Fällen eine Abberufung oder eine Niederlegung des Amtes vorliegen. 

Überbrückung durch sogenannte Notgeschäftsführung

Wenn eine GmbH führungslos wird, wird sie handlungsunfähig. Die Gestaltung der Gesellschaft selbst ist dann entscheidend, wenn es um eine gerichtliche Notgeschäftsführung geht. Ein wesentliches Kriterium bezüglich der Gestaltung ist vor allem die Zahl der Gesellschafter und die Stellung des Gesellschaftsführers als Gesellschafter oder als reiner Gesellschaftsführer.

Wirksame Vertretung durch Prokuraerteilung

Verleiht der Geschäftsführer vor dem Ausscheiden aus der GmbH eine Prokura an einen Angestellten, lassen sich zumindest einige der Tagesgeschäfte weiterführen. Die Prokura ist in Deutschland bei Unternehmen eine durch einen Kaufmann an Mitarbeiter erteilte, umfangreiche geschäftliche Vertretungsmacht. Sie stellt eine gewillkürte Form der Stellvertretung dar und hat den Zweck, dem Handelsverkehr eine sichere Grundlage für das Vertretungshandeln zu bieten.

Zu beachten ist jedoch, dass der Prokurist oder die Prokuristin nicht befähigt ist, Forderungen gegenüber Dritten durchzusetzen. Die Handlungsvollmacht ist begrenzt und es bleibt bei einer Passivvertretung der Gesellschaft. Prokuristen können demnach nur kurzfristig als Vertretung einer Geschäftsführung dienen.

Gerichtliche Bestellung eines Notgeschäftsführers

Die Anwendung des § 29 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ermöglicht rechtstheoretisch die Bestellung eines Notgeschäftsführers durch das zuständige Amtsgericht. Da der § 29 BGB jedoch systematisch im Abschnitt des Vereinsrechts verortet ist, kann die Norm allenfalls analog in Bezug auf Kapitalgesellschaften herangezogen werden. Gesetzesanalogien stellen immer die Ausnahme zur Regel dar. Daher werden Anträge in der Regel durch richterliche Rechtsprechung abgelehnt.

Laut GmbHG ist die Gesellschafterversammlung einzig und allein dazu befugt, einen Geschäftsführer per Gesellschafterbeschluss zu bestellen oder abzuberufen. Die vorher erwähnte analoge Anwendung der Vorschriften aus dem BGB zum Vereinsrecht wird als unzulässiger Eingriff in das Gesellschaftsrecht ausgelegt.

Besondere Dringlichkeit bei Führungslosigkeit

Vor Gericht muss in jedem Fall eine besondere Dringlichkeit nachgewiesen werden. Die Kriterien, die eine besondere Dringlichkeit rechtfertigen sind folgende:

  • Die erwartete Höhe des drohenden Schadens ist existenzbedrohend.
  • Einige wichtige Geschäfte sind nicht durchführbar.
  • Die Vertretungsbefugten der Geschäftsführung wie Prokuristen sind verhindert.
  • Die Gesellschafterversammlung ist nicht in der Lage, innerhalb einer angemessenen Frist eine Ersatzperson zu berufen.

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